Arbeitsgruppe "Sexualität im Alter"
Was blieb bei mir hängen?

verfasst von

Dr. Andreas Kvarda


Gruppenleitung: Dr. Ulrike Brandenburg

Zunächst begann die diesjährige Tagung für mich mit einer stundenlangen Warterei auf der gesperrten Südautobahn und damit mit dem Versäumen des Vortrages der Gruppenleiterin und dem Zuspätkommen zur Arbeitsgruppe.

Der relativ kleine Kreis von TeilnehmerInnen und die Tatsache, viele vertraute Gesichter zu sehen, teilweise aus einer Gruppe mit völlig anderem Thema aus dem Vorjahr, machten es mir möglich, rasch in die Gruppenarbeit einzusteigen.

Die Gruppe war recht ausgeglichen. Frauen und Männer, Spitalsleute und Niedergelassene, aber auch Nichtärztinnen wie die Ehefrau des Gesellschaftspräsidenten bildeten eine geschützte Atmosphäre, in der bald sehr offen und persönlich über das heikle Thema gesprochen wurde.

In Rollenspielen wurden einige konkrete Situationen aus der Erfahrung einiger TeilnehmerInnen wiedergegeben, wobei durchaus nicht nur alte Patientinnen erörtert wurden.
Das Grundprinzip, den/die berichtende TherapeutIn gleich zur Patientin zu machen, fand ich sehr sinnvoll.

Ein konkretes Beispiel: Patientin berichtet über ständigen Juckreiz der Vulva, sie müsse sich dauernd kratzen (65 Jahre, korpulent, hysterektomiert, einfaches Gemüt). Frage des Arztes nach Beschwerden beim Geschlechtsverkehr, seufzende Antwort, diesen gäbe es leider schon längst nicht mehr , da der Partner lange sehr krank gewesen und nun schon vor Jahren verstorben sei. Spontan berichtet die Patientin von sexuellem Wünschen und fehlender Gelegenheit der Umsetzung. Der Arztbesuch tue ihr gut, da dort auch die Geschlechtsteile berührt werden und das den Juckreiz für einige Tage lindere...
Gruppe und Leiterin diskutieren die Verhaltensweise des Arztes und dessen Rolle bzw. die Zulässigkeit/ Grenze zum sexuellen Übergriff in beide Richtungen! Gruppenleiterin berichtet über durchaus konkrete sexuelle Erlebnisse von PatientInnen in der sexualtherapeutischen Praxis. Grenzziehung wird sehr großzügig und durch Verbalisierung bewusst gelegt. Muss für beide Seiten klar sein, darf keine Seite bedrängen oder überfordern.

Beeindruckend für mich war insgesamt die Offenheit, mit der hier über ein Tabuthema gesprochen wurde, wo Angreifbarkeit und Risiko, unmöglich zu wirken, kein Hindernis darstellten. Diese Gratwanderung ist nur bei einer sattelfesten, kommunikativ erstklassigen Leitung möglich. Dafür danke ich Frau Dr. Brandenburg und gratuliere den Veranstaltern zu deren Verpflichtung.


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