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Eröffnungsrede der Tagungsleiterin Dr.Gabriele Knappitsch Liebe Reisende! Ich freue mich wirklich, dass ich Sie heute hier in Linz in der Landwirtschaftskammer auf unserer Reise um die Welt begrüßen darf. Die Koffer sind gepackt, die Fahrkarten sind gekauft und schon kann es losgehen. Es ist uns ein großes Anliegen, dass diese Tagung so angenehm und persönlich wie möglich wird. Nicht immer wurden und werden die Reisetaschen freiwillig gepackt. Bitte vergessen Sie nicht, dass die Migration ihren Ursprung in Europa hat. Rund 60 Millionen Europäer machten sich auf den Weg um die Welt zu erforschen, auf die Suche nach dem Glück und einem besseren Leben. Nach Österreich kommen jährlich cirka 32 000 Menschen und davon siedeln sich ungefähr 48 % im städtischen Bereich an. Es gibt bei uns 409 000 Personen - ÖsterreicherInnen mit ausländischen Geburtsort. Arbeitskräfte haben wir geholt - Menschen sind gekommen. Migrantinnen leben mehrheitlich unter schlechteren Bedingungen als inländische Frauen. Zwangsehe, Frauenhandel und Gewalt sind für viele von ihnen Alltag. Sie sind spezifischen psychischen und sozialen Belastungen ausgesetzt: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Verfolgung, unklarer Aufenthaltsstatus, Trennung und Verlust des sozialen Status. Doch wir wollen mit unserer Tagung zu einem besseren Verständnis und Stressabbau auf beiden Seiten beitragen. Wie wir alle wissen sind MigrantInnen besonders häufig im Pflegebereich tätig und tragen dadurch wesentlich zu der Erhaltung unseres Gesundheitssystems bei. Für uns stellen sich viele Fragen: Sind MigrantInnen kränker? Haben sie andere Erkrankungen? Einen schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung? Was sind ihre Motive? Wie ist ihr rechtlicher Status? Wie können wir sie verstehen, uns verständlich machen? Hier ist natürlich der Zeitpunkt der Migration wichtig. Sind sie aus der ersten oder zweiten Generation der EinwanderInnen? Haben sie spezielle Gesundheitsrisiken? Wie gehen sie damit um? Wie können wir sie dabei unterstützen? Wie kommunizieren ohne die gleiche Sprache zu sprechen? Sprachbarrieren, Informationsdefizite, Analphabetismus, rechtliche und soziale Diskriminierung und geschlechtsspezifische Ungleichheiten in Familie und Beruf führen zu einer Potenzierung des Gesundheitsrisikos. Wie schaut es mit Gewalt gegen Frauen mit Migrationshintergrund aus? Flüchtlingsfrauen geben zu 54-79% sexuelle Belästigung, psychische und körperliche Gewalt an. 28 % haben sexuelle Gewalterfahrungen erleben müssen, auch Gewalt durch den aktuellen Partner. Achtung ! Wir sind schon unterwegs. Bitte schnallen Sie sich an! Denn wir werden vieles erleben, immer wieder aussteigen, entdecken, erforschen und die Beine vertreten, kulinarische dynamische Grenzerfahrungen machen, uns des Besonderen unserer Erde erfreuen. Ankommen, uns fragen. Warum sind sie da? Warum bin ich da? Wo wollen sie - ich hin? Die 3. Welt ist nicht weit weg - sie ist vor der Haustüre. Wir dürfen den Anschluss nicht verpassen. Wir sind wohlgesinnt und wollen wirklich in Kontakt treten. Doch wie schaut der Alltag aus? Es gibt eine mangelnde Sprachkompetenz bei ProfessionistInnen! Der Umgang ist oft diskriminierend - kurz, sie kommen als Letzte dran, spüren Ablehnung, fühlen sich als "Opfer", es kommt zu einer Reduktion in der Kommunikation -sie kann konfliktreich sein. Typische Aussagen von KollegInnen sind: "Wenn sie bei uns leben wollen, dann sollen sie gefälligst Deutsch lernen" - Hier geht es um Toleranz und Einfühlungsvermögen. Schon kleine Hilfestellungen können Wunder bewirken. Natürlich ist es viel leichter in einem Land zu sein und die Sprache dieses Landes zu beherrschen. Viel einfacher ist es sich zurechtzufinden, nach dem Weg zu fragen, die richtigen Informationen zu erhalten. Dennoch ist es aus unterschiedlichsten Gründen oft anders, Verständnislosigkeit und Ungeduld machen alles noch schlimmer! Auch wenn es immer wieder anstrengend ist, wir auf unserer Reise oft nicht wissen, wie es weitergeht, wann der nächste Zug oder Bus kommt, ob wir das Schiff noch erwischen, wollen wir einen Beitrag leisten auf der Fahrt und Suche nach Stärken und Ressourcen und uns an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren, damit sie und wir uns seelisch, körperlich und sozialer wohlfühlen können. Leider ist Anna Legler-Guc, Psychotherapeutin und Supervisorin in freier Praxis und muttersprachliche Psychotherapeutin im FEM-Süd an einer schweren Krankheit verstorben. Sie hätte uns morgen den Vortrag "10 Jahre danach - Posttraumatische Belastungsreaktionen bei Migrantinnen aus dem ehemaligen Jugoslawien" gehalten. Es tut mir wirklich sehr leid, dass sie nicht mehr selbst an unserer Tagung teilnehmen kann und ich denke doch, dass es in ihrem Sinne ist, dass wir hier sind und uns die Zeit nehmen uns mit den Problemen und der Gesundheit von Frauen dieser Erde in unserem Land auseinandersetzen. |